Echt jetzt? Ist das Ende der CD wirklich schon so nah?


Kannst du dich noch daran erinnern? Ja, die gute alte Kassette trägt schon eine dicke Staubschicht, aber in meiner Erinnerung ist sie immer noch präsent. Vor allem dann, wenn ich an meine jüngste Kindheit zurückdenke. Das abendliche Hörbuch auf Kassette (und ich oute mich jetzt ganz offiziell als größter Fan von Benjamin Blümchen) war ein fixes Ritual vorm Schlafen gehen. Natürlich besaß ich auch einige Kassetten mit Kinderliedern und kann davon heute noch einige mitsingen. Später war ich davon besessen, Songs aus dem Radio (vor allem bei den Ö3 Austria Top 40) auf Kassette aufzunehmen. Genervt davon, dass der Moderator jetzt zu Beginn des Liedes doch noch mal reinquatschen muss! Du weißt was ich meine, oder?


Auch meine Eltern hatten unzählige selbst aufgenommene Kassetten. Während der 80er Jahre waren „Mixtapes“ ja ein allgegenwärtiges Element der Jugendkultur. Überglücklich war ich, als ich meinen ersten Walkman bekam. Endlich konnte ich meine eigenen Mixtapes überall - auch unterwegs im Auto - hören. Es war einfach toll! Kassetten hatten was ganz Besonderes und vielleicht erinnert sich so mancher noch an den Bandsalat, den so eine Kassette hin und wieder mal produzierte und das wichtigste Hightech-Werkzeug war mit Abstand der Bleistift! Das erweckt doch irgendwie ein nostalgisches Gefühl, oder?

In meiner Generation können sich die Meisten aber noch viel besser an die allererste eigene CD erinnern (wahrscheinlich genauso gut, wie an den allerersten Kuss). Diese kleine funkelnde Scheibe und passend dazu der Discman mit Anti-Shock-System – das war ja vielleicht sowas von cool.

1994 war es dann soweit. Ich bekam meine allererste CD: „Crash! Boom! Bang!“ von Roxette – phu da war ich ganz schön aufgeregt. Kurz darauf gesellte sich eine Maxi-CD dazu und auch an dieser hängen bis heute noch viele Erinnerungen. Ich habe diesen verdammten Song immer und immer wieder abgespielt (zum Leidwesen meiner Eltern und Nachbarn). Und bitte um Verständnis (ich war ja erst acht Jahre alt), wenn ich nun verrate, was ich da den ganzen Tag so hörte. Es war die Eurodance-Version „Herz an Herz“ von Blümchen (ich hab’s wohl irgendwie mit Blümchen).

Mein Sammelsurium an Alben, Singles und Doppel-CDs ist schnell angewachsen. Stundenlang verbrachte ich mit meinem (ebenfalls sehr musikbegeisterten) Papa viele Nachmittage in Kaufhäusern, um an den „Abhörstationen“ in meine nächste Errungenschaft reinzuhören. Ein Must-have war natürlich auch die neuste Ausgabe der Bravo Hits mit den aktuellsten Titeln aus den Musik-Charts.

Wir hatten damals unzählige CDs, alle sauber sortiert in diesen super futuristischen CD-Regalen. Und dann gab's da auch noch den CD-Wechsler fürs Auto. Das war sowas von High-Tech!

Irgendwann habe ich begonnen, MP3s downzuloaden. Diese wurden selbstverständlich auf meinen eigenen "CD-Mixtapes" verewigt und ich konnte mich auch der künstlerischen Gestaltung dieser widmen.


Und jetzt? Die meisten meiner CDs sind irgendwo zwischen den Umzugskartons verschwunden oder wurden entsorgt – weil defekt. Der berühmte Kratzer-Remix lässt grüßen! Natürlich habe auch ich noch eine kleine feine CD-Sammlung und wenn ich sie in den Händen halte, dann schwelge ich gerne in Erinnerung und suche vergeblich nach dem CD-Laufwerk bei meinem Autoradio.

Der USB-Stick war (und ist es auch immer noch) mein treuer Begleiter, gefüllt mit unzähligen MP3s, fein säuberlich in Ordner sortiert. Mittlerweile muss ich aber weder CDs auspacken, noch MP3s downloaden.

Musikstreaming ist in aller Munde. Die Lieblingsmusik einfach und unkompliziert überall dabei. Als iPhone-Besitzerin nutze ich natürlich den Streaming-Dienst von Apple – sehr gerne sogar, wobei ich immer noch an meinem USB-Stick hänge. Ich kann noch nicht so richtig loslassen. Es ist kein Geheimnis, dass die CD enorm an Verkaufskraft eingebüßt hat, aber ist das Ende schon so nah?

Vor allem das Album-Format scheint sehr Bedeutung zu verlieren. Die Vorteile von Streaming (Platzreduzierung, Unzerstörbarkeit, Mobilität, sofortige Verfügbarkeit, nichts kann mehr verloren gehen) sind da schon sehr überzeugend. Jetzt frage ich mich aber: Hat die CD wirklich ausgedient? Werden Streaming-Dienste die CD komplett ablösen?

Irgendwie fehlt mir was. So eine CD hat schon etwas ganz Besonderes an sich. Das gesamte Erlebnis, angefangen vom Artwork des Covers über den Inhalt des Booklets bis hin zu dieser kleinen funkelnde Scheibe.

An was wird sich die Generation nach mir erinnern? Vielleicht an die erste Spotify-Playlist? Oder vielleicht dann doch nur mehr daran, welcher Song beim ersten Kuss im Hintergrund gelaufen ist?


95 Ansichten