Guter Sound in kleinen Locations - unmöglich?


Wir alle haben dasselbe Problem: je kleiner die Location, desto schlimmer wird’s einen guten Gesamtsound hinzubekommen. Nach dem Gig kommen dann die Freunde, Verwandten, Bekannten und die ganzen „Klugscheißer“: „Das Schlagzeug war viel zu laut. den Gesang hab‘ ich ja gar nicht gehört, hätte man den nicht lauter drehen können?“ und so weiter und so fort – wir können alle ein Lied davon singen.

Aber in Wahrheit haben diese Klugscheißer gar nicht so unrecht. Man merkt’s meist selbst bereits beim Soundcheck: keiner hört sich richtig gut, man hört zwar alles aber gleichzeitig doch nichts, es klingt dumpf und mumpfig oder schrill, aber sicher nie so wie es soll! Und garantiert ist es zu laut.

Muss es wirklich laut sein? JA, aber bitte kontrolliert!

Jeder kennt’s: wenn man Musik hört, klingt*s “laut“ doch immer besser als leise. Es macht einfach mehr Spaß, wenn der gewisse Grundpegel da ist und wenn man auch den Bass spürt, dann daugts einem erst richtig! Das Thema „laut = gut“ funktioniert jedoch nur, solange der Gesamtmix ausgewogen ist. Ich hab’s selbst schon so oft erlebt und meistens läuft das Szenario genauso ab:

Die Snare knallt dermaßen rein, dass ich mich bereits fürchte und panikartig zusammenzucke, wenn der Drummer wieder mit aller Kraft ausholt. Vor dem 200W Marhsall Fullstack zu stehen, ist nur für den durchgeknalltesten Gitarren-Freak ein Traum (und ich bin selbst Gitarrist), Der Bass ist allgegenwärtig und so laut, dass alles zu einem Einheitsbrei vermatscht. Irgendwann bemerke ich da auch noch jemanden mit einem Mikrofon in der Hand. Singt da auch noch wer? Ach ja, bei den Passagen wo sich der Sänger die Seele aus dem Leib brüllt, erahne ich es: da singt auch wer!

Alle, die ich mit diesem Artikel adressiere, sind selten bis gar nicht auf größeren Bühnen unterwegs und das Szenario „kleine Location“ stellt 90% der Gigs dar. Hier habe ich für euch ein paar Gedanken dazu, wie man auch in kleinen Locations das Beste rausholen kann.

Der Drummer bestimmt wie es klingt…

Hört euch mal professionelle Produktionen an, da steht das Schlagzeug NIEMALS ganz vorne im Mix. Es ist präsent, gut hörbar, schiebt gemeinsam mit dem Bass, lässt aber gleichzeitig genug Platz für die melodieführenden Instrumente und vor allem Platz für den Gesang.

Immer und immer wieder sehe ich Drummer, die ihr Zeug prügeln und damit eine unglaubliche Lautstärke vorlegen. Für einen ausgewogenen Mix, müssten alle weiteren Instrumente die dazukommen - wie aus den gewohnten Produktionen auch vorgelebt -mindestens so laut wie das Schlagzeug sein. Der Gesang soll im besten Fall nochmal drüberstehen. Wird spannend oder? Denn da kommen wir viel zu oft an die akustischen Grenzen. Der Sänger hört sich selbst nicht mehr, weil der „Gesang ja viel zu leise ist“. Alles ist kurz vorm Pfeifen, es klingt beschissen und keiner hört sich, obwohl jeder sein Instrument auf Vollgas fährt. Und genau dann beginnt der Teufelskreis und jeder kämpft darum, lauter zu sein als seine „Bandfeinde“.

Sind die Drums jedoch gemäßigt, hört sich nicht nur der Gesang plötzlich gut, sondern auch alle anderen Instrumentalisten. Nach vorne kann der Gesang klar über das Schlagzeug gesetzt werden und zwischendrin werden die restlichen Instrumente platziert (wie es auch jeder zurecht aus dem Radio kennt). Wenn die Gitarristen jetzt noch auf die 200W Marshall Full-Stacks verzichten, klingt das ganze schon VIEL besser, ohne überhaupt über die ganz verrückten Dinge wie Equalizer oder Kompression nachdenken zu müssen. Das mit dem „Schlagzeug leiser machen“ ist jetzt natürlich leichter geschrieben als getan. Dazu wird es in einem meiner nächsten Artikel sicher noch mehr geben.


Was kann ich als Sänger/in machen?

Aus meiner Sicht leider sehr wenig. Worauf man aber wirklich achten sollte, ist eine gute Mikrotechnik und Monitorplatzierung. Als Sänger sollte man direkt vor dem Monitor stehen und nicht daneben. Die optimale Hörposition ist und bleibt davor. Sich als Sänger nicht zu hören, ist eh wirklich beschissen, aber nicht immer ist die Mikrotechnik, die Positionierung oder der Tontechniker schuld. So oft erlebe ich es, dass der Gesang untergeht weil auch einfach zu wenig Pegel vom Sänger kommt. Das Einzige was dann noch hilft, ist den Bühnensound zu zähmen. Wer sehr dynamisch singt und in sich in den tiefen Passagen kaum hört doch in den hohen, druckvollen Passagen plötzlich „voll da“ ist, der sollte sich mit seiner Gesangstechnik beschäftigen und dann unbedingt mal mit den Bandkollegen sprechen, um die Songs entsprechend zu arrangieren. Mit dem richtigen Arrangement kann man nämlich echt einiges herausholen.


Was kann ich als Gitarrist machen?

Vom 200W Marshall Fullstack auf eine 1x12er Röhrencombo mit maximal 15W umsteigen! Es wird auch bei einer 4x12er Box ohnehin nur ein Lautsprecher mikrofoniert.

Der Gitarrenverstärker muss im Prinzip nur so laut sein, dass das Mikro davor einen vernünftigen Pegel bekommt und sich der Gitarrist gut hört. Natürlich klingt ein voll aufgerissener Röhrenverstärker besser als einer, der auf Stufe 1 von 10 fährt. Die 15W Variante kann man vielleicht bis Stufe 5 von 10 bringen, ohne dass sich das Trommelfell flüchten will. Der beste Gitarrensound ist aber nichts, wenn er durch die hohe Lautstärke den Gesamtsound der Band zerstört. Stellt man den Amp etwas erhöht und schräg, so zielt man sich damit direkt ins Ohr und man wird nicht mehr das Bedürfnis haben, den Verstärker mehr als nötig aufzudrehen. Der Bühnensound ist gesamt leiser, der Gitarrist hört sein Instrument lauter als den Rest und alle anderen werden von der Gitarre nicht überdeckt. Alle sind glücklich! Warum nicht gleich so?

Sollte es doch vorkommen, dass die Bandkollegen „mehr Gitarre“ wollen oder brauchen, dann wirft man das Signal vom Gitarrenmikro einfach auf den Monitor und hat die Lautstärke dann voll unter Kontrolle. Dem Ganzen ist natürlich vorausgesetzt, dass die Amps überhaupt mikrofoniert werden und die PA-Anlage keine grindige billigsdorfer Ware ist, Und weil ich selbst ein leidgeplagter Gitarrist bin, wird’s zu diesem Thema sicherlich noch einige Artikel von mir geben.


Die gute Nachricht für Bassisten!

Meistens seid ihr nicht schuld daran, dass es soundtechnisch scheiße klingt. Schlagzeuger und Gitarristen sind die Hauptverursacher, weil sie eben auch um denselben Frequenzbereich wie der Gesang kämpfen. Aber natürlich gilt auch für die Basser: Amp auf der Bühne so laut drehen, dass man sich gut hört. Punkt. Jeder Millimeter weiter verschlechtert die Bühnensituation. Der Bass kann bei Bedarf über die PA dazugemischt werden. Und an dieser Stelle möchte ich nochmal anmerken, dass ich immer eine halbwegs ordentliche PA-Anlage voraussetze.


Also, hier mein Appell an alle Schlagzeuger und Gitarristen da draußen: Nehmt euch selbst an der Nase, denn in Wahrheit habt ihr es in der Hand wie’s schlussendlich klingt! Tut euch, euren Bandkollegen und vor allem dem Publikum einen Gefallen und versucht euch lautstärkemäßig in den Griff zu bekommen.

Ja, ja, ja ich hör euch schon protestieren: „Leise spielen ist richtig zach!“ Glaubt mir, wenn du während dem Gig hörst, was deine Bandkollegen so treiben, dir danach mal nicht die Ohren rauschen und die Sound-Klugscheißer nicht’s zum klugscheißen haben, ist das schon auch richtig geil.

#TechTalk #Sound

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